Lehrveranstaltungen im WiSe 2008/09
»Zwischen Barbecue und Barbie« – Die langen 1950er Jahre:
Konsumgegenstände, Texte und Bilder aus der 'heilen Welt' im Kalten Krieg
Die 50er Jahre sind oft als Zeit der Konformität, des Konsums und traditioneller Familienwerte wahrgenommen worden. Dennoch waren die individuellen wie kollektiven Identitätsentwürfe in der Nachkriegszeit fundamentalen Wandlungsprozessen unterworfen, welche mit politischen, ökonomischen und technologisch-medialen Veränderungen unmittelbar verschränkt waren. Wie aber lässt sich das Ineinandergreifen von Privatem und Politischem denken? Wie formten und veränderten neue kulturelle Objekte, mediale Welten, postindustrielle Arbeitsformen und neues ExpertInnenwissen die Herausbildung nationaler und geschlechtlicher Selbstentwürfe? Inwiefern erwiesen sich die Dinge des Alltags ihrerseits als geschlechtlich kodiert? – Neben Alltagsgegenständen aus dem Bereich des Hauses sollen auch architektonische Arrangements, kultisch-rituelle Praktiken (Grillen, Backen, Rasenmähen, »Dating«) sowie Werbe- und Spielfilme im Seminar untersucht werden. Die Konzentration auf den speziellen historischen Zeitraum der 1950er Jahre und der Vergleich zwischen Deutschland und den USA macht es darüber hinaus möglich, die geschichtliche Gewordenheit von kulturhistorischem Wissen und Praktiken zu erfassen.
Anmeldung erbeten: claudia.bruns@culture.hu-berlin.de
Literatur
- Baudrillard, Jean (1991). Das System der Dinge. Über unser Verhältnis zu den alltäglichen Gegenständen, Frankf./M.
- Böhme, Hartmut (2006): Fetischismus und Kultur. Eine andere Theorie der Moderne, Hamburg.
- Halberstam, David (1994): The Fifties, New York.
- Heldman, Philipp (2004): Herrschaft, Wirtschaft, Anoraks. Konsumpolitik in der DDR, Göttingen.
- Stratton, Jon (1996): The Desirable Body. Cultural fetishism and the erotics of consumption, Manchester.
- Taylor, Ella (1992): Make Room for TV. Television and the Family Ideal in Postwar America, Chicago.
| KuWi: | Magisterhauptseminar |
| KuWi MA-Modul: | »Historizität – Medialität« |
| Genderstudies: | Magister Hauptstudium, WSP II |
| Zeit: | WiSe 2008/09 Dienstag, 14-16 Uhr |
| Raum: | SO 22a, 301 |
Wissenschaft. Macht. Geschlecht – Theoretische Analysen und filmhistorische Zugänge
Seminar und Filmreihe
Das Seminar möchte den Zusammenhang von »Wissenschaft, Macht und Geschlecht« aus einer geschichtlichen, wissenschaftskritischen und filmhistorischen Perspektive beleuchten. D. h. es soll zum einen nach den konkreten historischen Zugängen zur Wissenschaft, den strukturellen Ein- und Ausschlüssen im »sozialen Feld« der westlichen Universitäten, gefragt werden. Zum anderen werden im Sinne Foucaults die Produktionsprozesse abendländischer Wissenschaft selbst auf konstitutive Machtstrukturen, implizite Logiken und Produktionsbedingungen hin befragt werden. Dabei soll die erst einhundertjährige Bildungsgeschichte von Frauen an den europäischen Universitäten ebenso in den Blick genommen werden wie die brisante und politische Frage nach den gegenwärtigen Bedingungen wissenschaftlicher Konstruktionen von »Wahrheit« und »Objektivität« angesichts feministischer Erkenntnistheorie und postkolonialer Kritik. – Das Seminar ist verbunden mit dem Besuch der Filmreihe »Das Geschlecht der Bildung«, die aus Anlass des 100jährigen Jubiläums des Frauenstudiums ausgewählte historische Filme aus dem ersten Drittel des 20. Jahrhunderts zeigt. (siehe Programm auf der Homepage: www.claudiabruns.de)
Anmeldung erbeten: claudia.bruns@culture.hu-berlin.de
Literatur
- Jähnert, Gabriele u. a. (2003) (Hg.): Von der Ausnahme zur Alltäglichkeit. Frauen an der Berliner Universität, Berlin.
- Dyhouse, C. (2006): Students. A gendered history, London.
- Haraway, Donna (1995): »Situiertes Wissen«, in: Dies. Die Neuerfindung der Natur. Primaten, Cyborgs u. Frauen, Frankf./M.
- Harding, Sandra (1994): Das Geschlecht des Wissens, Frankf./M.: Campus.
- Lynch, Michael / Woolgar, Steve (1990) (Hg.): Representation in Scientific Practice, Cambridge, MA.
- Maul, Bärbel (2002): Akademikerinnen in der Nachkriegszeit. Frankf./M.
| KuWi: | Magisterhauptseminar |
| KuWi MA-Modul: | »Historizität – Medialität« |
| Gender Studies: | Modul 6-1: »Interventionen«, Option 1 (SP: 3 LV, 2 MAP) |
| Gender Studies: | Magister Hauptstudium, WSP II |
| Zeit und Raum: | WiSe 2008/09 Mittwoch, alternierend: 14-16 Uhr, SO22a, R 0.13 und 18-20 Uhr im Hauptgebäude UdL 6, Kinosaal |
| Beginn: | 22. Okt. im Seminarraum; am 29. Okt. im Kinosaal |
Diversity: Wissen – Transfer – Differenz (Teil 2: 19.-21. Jhdt.)
Kooperation zwischen der HU-Berlin und der FU-Berlin
Die ebenso interdisziplinär wie international ausgerichtete Ringvorlesung, die in Kooperation des Kulturwissenschaftlichen Seminars der Humboldt-Universität mit dem John-F.-Kennedy-Institut der Freien Universität Berlin seit dem Sommersemester 2008 stattfindet, geht Fragen der Produktion und des Transfers von rassifizierendem Wissen nach. Unter "Transfer" werden sowohl transnationale Übersetzungen verstanden wie auch interdiskursive Verflechtungen. In diesem zweiten Teil der Reihe liegt der Schwerpunkt auf den Übersetzungsprozessen und Interdependenzen zwischen kolonialen und antisemitischen Rassismen vom 19. Jhdt. bis in die Gegenwart. Gezeigt werden soll auch, dass diese rassistischen Diskurse zugleich untrennbar mit anderen Kategorien wie Geschlecht, Sexualität, Religion, Klasse oder Alter verwoben sind. Diese Aspekte von Diversity und Intersektionalität werden nicht nur theoretisch reflektiert, sondern auch hinsichtlich ihrer Umsetzungsstrategien beleuchtet, etwa durch Instrumente wie affirmative action und diversity management. Die historische Perspektive steht im Mittelpunkt, wird aber durch Rekurse auf benachbarte geistes-, kultur- und sozialwissenschaftliche Disziplinen ergänzt.
| KuWi BA-Vertiefungsmodul | Episteme. Strukturen. Medien |
| Zeit: | WiSe 2008/09 Dienstag, 18-20 Uhr |
| Ort: | John-F.-Kennedy-Institut für Nordamerikastudien, Lansstraße 7–9 (U Dahlem-Dorf), Raum: 340 |
| Kontakt/Organisation: | Michaela Hampf, hampf@jfki.fu-berlin.de Informationen: http://jfki.fu-berlin.de/faculty/history/persons/hampf/ Claudia Bruns, claudia.bruns@hu-berlin.de Informationen: www.claudiabruns.de |
| Termin | Vortrag | ReferentInnen |
|---|---|---|
| Articulating Difference, Asserting Universalism: Visions of Community and Belonging among Central Europe Jews, 1850 to 1933 | Till van Rahden (Université de Montréal) | |
| Alles intersektional? – Zum Verhältnis von Rassismus und Sexismus | Ina Kerner (HU-Berlin) | |
| Otto Weiningers Undialektik der Aufklärung: Antisemitismus und Misogynie in Geschlecht und Charakter | Christine Achinger (University of Warwick) | |
| Anders über das Andere nachdenken: Alterität und nomadisches Subjekt | Eva Bischoff (Universitäten Bonn/Köln) | |
| Interrogating Intersectionality |
Maria do Mar Castro Varela (Alice-Salomon-FH-Berlin) Nikita Dhawan (Berlin) |
|
| Prognosis Time: The Politics of Debility, Capacity, and Affect | Jasbir Puar (Rutgers University, NJ) | |
| Old dynamics, new spaces? The Europeanization of Blackness | Peggy Piesche (Vassar College, NY) | |
| Die Macht der Bilder und die visuellen Symbole eines neuen Orientalismus | Hildegard E. Frübis (HU-Berlin) | |
| Creating Transnational Family Memories: A Canadian Family Talks About Oma's Life in Nazi Germany | Alexander Freund (University of Winnipeg) | |
| Trans-Amerikanische Stereotype: Rassistische und sexistische Repräsentationen zwischen den Amerikas im frühen 20. Jahrhundert | Stefan Rinke (FU-Berlin) | |
| Maskulinitäten und Feminitäten zwischen Selbstbestimmung und Kontingenz | Kornelia Hauser (Universität Innsbruck) | |
| Obituary to Race: Gens as a New Direction in the Study of Europe and Social Scientific Inquiry in General | Margaret Crosby (Howard University) | |
| Arbeitstitel: Diversity auf Kuba und in der spanischen Karibik | Michael Zeuske (Universität zu Köln) | |
| "So the Jewes did Indianize or the Indians doe Judaize" (1650). Die millenaristische Ethnographie des kolonialen amerikanischen Puritanismus zwischen Philosemitismus und Antijudaismus | Ulrike Brunotte (HU-Berlin) | |